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Sven Clausen

VWL-Studium an der Uni Köln und der Copenhagen Businessschool abgeschlossen und anschließend die Kölner Journalistenschule besucht: Damit legte Sven Clausen den Grundstein für seine wirtschaftsjournalistische Zukunft. Besonders prägend für seine Karriere war sein Mitwirken am Aufbau der Financial Times in Deutschland (FTD), die 2012 aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt wurde. Seit 2014 ist er nun stellvertretender Chefredakteur beim Manager Magazin. Bei den Wirtschaftsmachern hat er erzählt, was bei der FTD besonders im Onlinebereich gefehlt hat und warum es beim Manager Magazin jetzt besser klappt.

Laut Clausen gibt es im Journalismus immer noch große Differenzen zwischen Online und Print. Das Manager Magazin trennt die Redaktionen von Print und Online. Auch die Verantwortung liegt in unterschiedlichen Händen: Clausen ist zum Beispiel Online-Chef. Zwar recherchiert und redigiert er auch im Printbereich, aber die Trennung der Redaktionen hält er für sinnvoll. Er sagt, da das Magazin nur einmal monatlich erscheint, bei Online aber tagesaktuell gearbeitet wird, seien die Prioritäten sehr verschieden. So sind im Magazin längere und intensiver recherchierte Geschichten möglich, der Onlineauftritt muss dagegen jeden Tag gepflegt werden. „Natürlich sind wir Clickbait getrieben“, so Clausen. Reißerische Überschriften und populäre Themen, die auf den ersten Blick nicht viel mit Wirtschaft zu tun haben, werden besonders in den sozialen Netzwerken gut angenommen. Deshalb bekommen sie einen wirtschaftlichen Dreh.

Damit hat das Manager Magazin den Sprung in die Digitalisierung geschafft. Das ist genau das, was die Financial Times Deutschland verpasste, und was laut Clausen unter anderem zu ihrer Einstellung führte. Er glaubt, dies sei der Hauptgrund gewesen, denn das Team war jung und motiviert und glaubte an schwarze Zahlen. Auch er selbst konnte sich immer zum Weitermachen motivieren. Ein Projekt wie die FTD würde er auch wieder wagen, wenn es eine gute Idee gäbe. Dennoch ist die FTD nicht glanzlos und still verschwunden, für das Cover der letzten Ausgabe wurde dem Team sogar der Henri-Nannen-Sonderpreis verliehen.

Sven Clausen Wima
Sven Clausen im Gespräch mit den Studierenden

Was Sven Clausen als Journalisten ausmacht, ist seine investigative Laufbahn. So hat er unter anderem schon als Co-Chef des Investigativ-Teams der Welt-Gruppe gearbeitet. Als unabdingbare Qualitäten dafür nannte er Wissen, Quellenschutz und Freundlichkeit. Wichtig sei vor allem, sich mit den Menschen, die man interviewt, auf Augenhöhe zu befinden.

Bei der Recherche sieht Sven Clausen keine Grenzen. Das betrifft auch die Firmen und Unternehmen, die Werbung im Manager Magazin schalten und dafür bezahlen. Auch wenn diese wegen negativer Berichterstattung drohen, ihre Werbung zu streichen und somit Gelder fehlen könnten, wird der Artikel dennoch veröffentlicht. Denn „für den Journalisten ist nichts davon eine Strafe, solange die Story stimmt“, so Clausen.

 

Das Team
Laura Lang, Patricia Averesch und Lena Meerkötter