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Christoph Zemelka

Journalistik studiert, bei der Deutschen Welle volontiert, anschließend promoviert. Der Weg zur PR war zwar gewissermaßen ein Zufall, sagt Christoph Zemelka. Dennoch nicht ungewollt. Der Leiter der Unternehmenskommunikation bei der Firma Bosch war zu Gast bei den Wirtschaftsmachern. Er hat unter anderem darüber gesprochen, welche Vorteile es hat, beide Seiten gut zu kennen.

Christoph Zemelka hat für den Radiosender Antenne Unna und die Deutsche Welle hinterm Mikrofon gestanden. Doch er wollte auch einmal die andere Seite kennenlernen: die der Firmen, über die regelmäßig berichtet wird. Ein Praktikum führte ihn in die Unternehmenskommunikation. „Das intellektuell anspruchsvolle Arbeiten fand ich spannend“, sagt er. Nun arbeitet Zemelka seit 2004 bei Bosch.

„Es war keine bewusste Entscheidung gegen den Journalismus.“

Der ehemalige Journalistik-Student der TU Dortmund versucht als heutiger PR-Mann ein eher „konstruktives Verhältnis“ zu Journalisten zu haben. Er profitiert davon, beide Seiten zu verstehen: Die des Unternehmens, das seine Belange mitteilt und die der Journalisten, die eine Geschichte suchen. Doch worauf er ausdrücklich hinweist: „Komplizierte Sachverhalte stark zuzuspitzen, um eine spektakuläre Überschrift zu bekommen, ist keine gute journalistische Arbeit.“ Journalisten hätten eine große Verantwortung gegenüber den Lesern und Angestellten der Firmen, über die berichtet wird. Zuspitzungen könnten den Betroffenen Angst machen, beispielsweise vor Stellenabbau: „Viele Klicks sind das nicht wert.“

Daher ist seine Meinung: „Wirtschaftsjournalisten sollen helfen, Ideen und Wirtschaft voranzutreiben und – falls berechtigt – zu kritisieren. Aber nicht aus Zeitmangel und Auflagendruck Halbwahrheiten erzählen.“

Keine Halbwahrheit ist, dass Bosch in Zukunft stärker auf den Unternehmenszweig der Smarthome-Technik setzen möchte. Das Stuttgarter Traditionsunternehmen entwickelt beispielsweise Hausgeräte, die untereinander vernetzt sind und sich den Gegebenheiten des Alltags anpassen. Gesteuert wird die ganze Technik über eine eigens konzipierte App.

„Mein künftiges Haus wird so ,smart-home-ig‘ wie es geht.“

Damit kann der Nutzer seine vernetzten Geräte und Hauselemente, wie zum Beispiel Türen und Fenster, zentral steuern, Glühbirnen (auch aus weiter Entfernung) an- und ausschalten. „Es ist wichtig, dass wir diesen Themen genügend Raum geben, sich zu entfalten“, sagt Christoph Zemelka. Man müsse den Nutzen für den einzelnen Verbraucher und die dazu im Verhältnis stehenden Kosten abwägen. Wichtig ist für ihn dabei:

Trotz vieler kritischer Stimmen – der Leiter der Unternehmenskommunikation steht hinter dem Projekt: „Die Smarthome-Technologie sollte nicht von vorne herein verteufelt werden“, sagt Zemelka. Sicherheitsmängel habe es noch nicht gegeben, ebenso wenig Hacker im System. Skandale seien bislang ausgeblieben. Doch je breiter und größer ein Unternehmen aufgestellt ist, desto höher sei auch die Wahrscheinlichkeit, in Konflikte zu geraten. So landete Bosch zuletzt im Zusammenhang mit dem Abgasskandal in den Schlagzeilen. Der Vorwurf: Automobilzulieferer Bosch soll die Software produziert haben, mit der VW seine Dieselfahrzeuge manipulieren konnte.

„Automobilzulieferung bildet 2/3 des Umsatzes von Bosch“

Dem Diesel bescheinigt Zemelka trotz der aktuell schwierigen Lage eine Zukunft. Er selbst fährt einen Wagen mit Dieselmotor und werde auch seinen Freunden weiterhin nicht davon abraten. Generell spekuliert er jedoch ungern über die Zukunft – dementsprechend wenig hält er von solchen Fragen, die ihn dazu verführen könnten. Spekulationen würden im Zweifel die Angestellten, die bei Bosch an Dieselprodukten arbeiten, nur verunsichern, so Zemelka. Als Beispiel dafür führt er die viel zitierten Aussagen von VW-Chef Matthias Müller an, der den Diesel für nicht zukunftsfähig hält. Eine solche Aussage habe das Potential, eine Panik innerhalb der Belegschaft auszulösen.

Bosch hingegen gibt sich bei Anfragen deutlich schweigsamer als VW. So räumt Zemelka zwar ein, an den wichtigen Prozessen in der Aufarbeitung des Abgas-Skandals beteiligt zu sein – verweist allerdings in diesem Zusammenhang auf die Firmenpolitik:  Zu den aktuellen Entwicklungen soll vorerst keine Stellung bezogen werden.

„Ich will 1000 Follower bei Twitter haben.“

Die Privatperson von dem Leiter der Unternehmenskommunikation zu trennen sei schwierig. Diese Doppelrolle wird in Zemelkas Twitter-Account sichtbar. Er teilt Beiträge über die Digitalisierung der Gesellschaft. Viel Zeit, um seine Meinung zu äußern, hat er nicht. Auf viele Follower hofft er trotzdem: „Es scheint Menschen zu geben, die es interessiert, was ich teile.“ Was er sonst über sich verraten hat, seht ihr in unserem Video „Angebot & Nachfrage“.

„Angebot & Nachfrage“ mit Christoph Zemelka

Das Team

Lukas Hemelt, Kathrin Wesolowski, Wenke Wensing,
Nils Gronemeyer, Marie-Christine Spies und Leonie Meerheim

 

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