portrait fischer neu

Gabriele Fischer

Journalistin, Unternehmerin, Gründerin: Gabriele Fischer, Chefredakteurin von brand eins, hat mit der Gründung des Wirtschaftsmagazins vor 17 Jahren ihrem sicheren Redakteurs-Job den Rücken gekehrt. Aus dem „Experiment“ brand eins ist ein renommiertes Wirtschaftsmagazin geworden. Ende Juni sprach die Chefredakteurin mit Leonie Gürtler und Jan Dahlmann über den Mut, etwas Eigenes zu erschaffen, über neue Arbeitsmodelle, und über das Grundeinkommen.

Erst Redakteurin, später stellvertretende Chefredakteurin beim manager magazin – das war Gabriele Fischers Stelle, bevor sie den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. Im Folgenden die anderen Stationen in Fischers Karriere.

Gabriele Fischers Werdegang

Geboren: 25. Januar 1953 in Karlsruhe

Studium: Politikwissenschaften, Soziologie und Germanistik

Journalistische Ausbildung: Henri-Nannen-Schule ab 1979

Journalistische Arbeit:

  • Weser-Kurier
  • Von 1986 bis 1997 Redakteurin und stellvertretende Chefredakteurin beim manager magazin, mit kurzer Unterbrechung bei Schöner Wohnen
  • 1997/98 die Gründung von Econy
  • Seit 1999 Chefredakteurin von brand eins

Econy – Business in Bewegung. So heißt das neue Wirtschaftsmagazin des Spiegel-Verlags, in dessen Gründungsredaktion auch Gabriele Fischer sitzt. Das erste Heft erscheint 1998, nach der zweiten Ausgabe ist Schluss – der Verlag stellt Econy ein. Die Redaktion beschließt erst, das Magazin selbst herauszugeben, verkauft dann aber die Rechte. Im September 1999 bringt die Redaktion ein neues Wirtschaftsmagazin raus: brand eins.

Die Gründung eines eigenen Magazins prägt Fischer und zeigt ihr, dass Selbständigkeit neben Freiheit auch viele Hindernisse mitbringt.

„Wir dachten immer, die nächste Ausgabe wird unsere letzte.“

Trotzdem, so sagt sie, habe sie die Gründung nie bereut.  Im Gegenteil, sie sah den Schritt damals eher als Notwendigkeit, ihrem Beruf als Journalistin weiter nachzugehen zu können.

„Ich bin Gründerin und Verlegerin geworden, um Journalistin sein zu können.“

Brand eins hat zwar eine jüngere Leserschaft als andere Wirtschaftsmagazine, aber nicht so jung, wie man erwarten könnte. Ob die Redaktion mit ihrem Produkt eine bestimmte Zielgruppe ansprechen will? Nein, sagt Fischer:

„Wir haben keine Zielgruppe, sondern ein Thema – den Übergang von der Industrie zur Wissensgesellschaft.“

Aber brand eins spricht ganz ungewollt trotzdem eine bestimmte Zielgruppe an – eine, die von anderen Wirtschaftsmagazinen nicht bedient wird, sich aber für Wirtschaft interessiert.

Eine Besonderheit des Magazins liegt auch in seiner Erstellung. Nach eigener Aussage arbeitet die Redaktion von brand eins von Beginn an mit neuen Arbeitsmodellen. So gibt es beispielsweise keine festen Arbeitszeiten, und die Redakteure können auch von zuhause aus arbeiten.

Gabriele Fischer sprach bei den Wirtschaftsmachern auch über ein anderes Arbeitsmodell, das in der letzten Zeit immer häufiger diskutiert wird: das bedingungslose Grundeinkommen. Das Konzept, dass jeder Bürger ein Einkommen bekommt, ohne dafür eine Gegenleistung zu erbringen, beschäftigt Europa seit Jahren. Bei einem Volksentscheid am 5. Juni diesen Jahres in der Schweiz lehnten 78 Prozent der Bürger das bedingungslose Grundeinkommen ab. Dort kam eine Umfrage zu folgendem Ergebnis:

Diagramm

Auch Gabriele Fischer würde bei Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens nicht einfach aufhören zu arbeiten. Und sie geht davon aus, dass wahrscheinlich ein Großteil der Menschen ebenfalls weiterarbeiten würden. Für eine Einführung sieht sie dennoch keine Chance:

„Ich glaube nicht, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen durchgesetzt wird. Aber die Debatte darüber tut uns gut.“

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