Heike Göbel  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Heike Göbel

Heike Göbel, FAZ, ist auch ohne Frauenquote leitende Redakteurin geworden und argumentiert auch deshalb gegen die gesetzlichen Vorgaben. Wie junge Leute ans Zeitungslesen gebracht werden sollen – da ist sie aber ratlos.

„Angebot & Nachfrage“ mit Heike Göbel

Der Wirtschaftsteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) gilt seit jeher als eines der hintergründigsten und qualitätsreichsten Ressorts im Print-Journalismus. Bereits seit April 1992 schreibt Heike Göbel für diesen Teil der FAZ. Seit mittlerweile 13 Jahren ist sie in der Frankfurter Zentrale verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik. Am 18. Juni war Heike Göbel zu Gast bei den „Wirtschaftsmachern“. Sie sprach über ihren bisherigen journalistischen Werdegang und über die Zukunft der FAZ.

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Vor ihrer Zeit bei der FAZ volontierte Heike Göbel bei den Stuttgarter Nachrichten. Dort arbeitete sie drei Jahren lang in der Wirtschaftsredaktion. Zu dieser Zeit war das Wort Frauenquote – im Gegensatz zu heute – noch nicht in den Alltagsjargon übergegangen. Dennoch gelang Göbel der Aufstieg bis zur leitenden Redakteurin der FAZ. Vielleicht hat sie gerade deswegen eine ganz klare Meinung zu der Quote, die in Politik und Medien lange diskutiert wurde:

Heike Göbel berichtete bei den „Wirtschaftsmachern“ davon, dass die Leser vor allem die längeren und hintergründigen Berichte der FAZ schätzen würden. Das hätten Umfragen des Verlags ergeben. Die Artikel sollen so aber nicht komplex und unverständlich sein, sagte Göbel. Ziel sei es die Dinge auf den Punkt zu bringen. Vorwissen würde dabei aber nicht vorausgesetzt.

Den meisten Print-Medien in der Republik geht es ähnlich: die Auflage sinkt und die junge Generation sieht die gedruckten Produkte eher skeptisch. Auch für die FAZ stehen wegweisende Monate an. Um für die Zukunft gerüstet zu sein, plant das Traditionsblatt einige Änderungen: Schon seit längerem wird über eine Pay-Wall auf faz.net diskutiert. Des Weiteren sei ein Projekt geplant, welches gerade für die jungen Menschen attraktiv sein soll, so Göbel. Genaue Details wollte sie bei den „Wirtschaftsmachern“ aber nicht verraten.

Doch wie finanziert die FAZ in Zukunft ihren Journalismus? Eine Frage, die nicht nur Heike Göbel Kopfzerbrechen bereitet. Die Kosten in Höhe von 35 Euro für das Monatsabonnement scheinen da nicht die optimale Lösung zu sein.

Deutliche Worte von Heike Göbel, die sich sichtlich Sorgen um die Zukunft der FAZ im Speziellen, aber auch um die Print-Medien im Allgemeinen macht. Momentan gilt die FAZ (noch) als ein Flaggschiff unter den deutschen Print-Medien – aber auch sie verliert immer mehr Leser. In diesem Zusammenhang spielt natürlich eine Rolle, dass jugendliche Leser ihre Informationen vor allem aus dem Internet ziehen – und dafür in der Regel auch kein Geld bezahlen möchten. Warum sich die Jugend immer weniger für die klassische Zeitung interessiert, ist auch Heike Göbel nicht ganz klar. Die Ursachenforschung beginnt für die Zeitungs-Liebhaberin schon in den eigenen vier Wänden:

Heike Göbel gewährte dem Publikum auch private Einblicke – und hatte während ihres Gesprächs einige Lacher auf ihrer Seite. Die Arbeit der FAZ hingegen soll durchweg seriös sein. Dazu gehört auch, dass die Redaktion nach außen mit einer geschlossenen – zumeist konservativ-marktliberalen – Stimme spricht. Die FAZ fährt da eine strikte Linie. Einige Kollegen müssen deshalb manchmal auch mit ihren eigenen Ansichten zurückstecken, berichtet Heike Göbel:

Heike Göbel sorgt also für eine einheitliche Meinung im Wirtschaftspolitik-Ressort der FAZ. Doch nicht immer sind sich Geschäftsführung und Redaktion einig. „Google verhält sich wie ein Senfhändler, der das Verteilen von Gratiswürsten propagiert“, sagte FAZ-Geschäftsführer Christian Lindner im Februar diesen Jahres und verurteilt damit die „Google News Initiative“, die Medienprojekte in Europa fördert. Jetzt ist die FAZ neben Spiegel-Online, der Deutschen Welle und weiteren Medienhäusern selbst Teil der „Google News Initiative“. Heike Göbel glaubt aber nicht, dass die Kooperation die FAZ-Berichterstattung über das Unternehmen Google verändert:

In der 90-minütigen Diskussion hat Heike Göbel einen interessanten Einblick in ihren Werdegang als Frau im Wirtschaftsjournalismus gegeben, gegen die Frauenquote argumentiert und ihre Sorgen über die alternde Leserschaft der FAZ ausgedrückt. Für alle Zuschauer war es eine interessante, lehrreiche und überraschende Ausgabe der „Wirtschaftsmacher“, die neue Denkanstöße über die Zukunft der Medien gegeben hat.

Das Team

Laura Bethke, Sinan Krieger, Till Kupitz, Michael Scheppe und Kai Steinecke