Marcus Gatzke

Marcus Gatzke

Zeit Online gilt als eines der renommiertesten Onlinemedien Deutschlands. Marcus Gatzke gehört zu den verantwortlichen Redakteuren. Seit 2010 leitet der studierte Volkswirt das Wirtschaftsressort. Ende Mai diskutierte er bei den Wirtschaftsmachern mit den Moderatoren Lukas Arndt und Julian Rohr. Die Themen: die ewige Berichterstattung über Griechenland, das Verhältnis zwischen Journalisten und Lesern und die Zukunft des Journalismus im digitalen Zeitalter.

Marcus Gatzke – kurz vorgestellt

 

Studium

Marcus Gatzke studierte Wirtschaftswissenschaften an der Bergischen Gesamthochschule Wuppertal und in Nottingham. Sein Diplom in Volkswirtschaftslehre schloss er an der Westfälischen Wilhelms-Universität zu Münster ab.

Werdegang

  • 2000 – 2004 Redakteur – Netzeitung
  • 2004 – 2007 Ressortleiter – Netzeitung
  • 2007 – 2008 Redakteur Wirtschaft und Politik – stern.de
  • 2008 – 2010 stellv. Ressortleiter Wirtschaft und Politik – stern.de
  • seit 2010 Ressortleiter Wirtschaft/Karriere/Mobilität – Zeit Online

Privates

Marcus Gatzke lebt in Berlin. Er liebt Rockmusik und fotografiert in seiner Freizeit.

Griechenland – die unendliche Geschichte

 „Wird die Eurozone überleben?“ – Zeit Online 2010

„Europa muss mit Griechenland neu verhandeln“ – Zeit Online 2012

„Griechenland erhält weitere Milliardenkredite“ – Zeit Online 2014

Neue Verhandlungsrunden, neue Sparauflagen, neue Milliardenkredite: Die Griechenlandkrise scheint kein Ende zu nehmen. Seit Jahren prägt dieses Thema wie kein anderes die wirtschaftspolitische Berichterstattung. Auch Marcus Gatzke beschäftigt sich intensiv mit dem Thema.

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Viele haben von diesem Thema inzwischen genug. Kritiker sprechen gern von „Rudeljournalismus“. Der Vorwurf: Die Berichterstattung über Griechenland überdecke andere Themen. Gatzke widerspricht dieser Ansicht. „Die Griechenlandkrise ist nun mal eines der wichtigsten aktuellen Wirtschaftsthemen.“

„Daher müssen wir uns auch entsprechend ausführlich damit beschäftigen“, so der Ressortleiter. Er glaubt nicht, dass er seine Leser langweile, da Zeit Online immer wieder neue Entwicklungen in den Fokus nehme.

Leser + Journalist = Beziehungskrise?

In Zeiten, als es das Internet noch nicht gab, bestand in überregionalen Medien kaum Kontakt zwischen Journalisten und Lesern.  Nur ausgewählte Kommentare wurden in Form von Leserbriefen veröffentlicht. Rechtfertigen mussten sich Journalisten erst recht nicht. Das Internet hat dieses Verhältnis jedoch auf den Kopf gestellt: Leser können die Arbeit der Journalisten nun direkt kommentieren. Dabei sind sie oft alles andere als zimperlich.

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Einige Journalisten sprechen dann gerne von „Trollen“. Manche dieser Kommentare werden schnell wieder gelöscht. „Viele Leser kritisierten aber auch konstruktiv“, so Gatzke. „Wir erhalten gute Verbesserungsvorschläge“, betont er. „Das Internet bietet großartige Möglichkeiten zur Partizipation der Leser und es gehört zum professionellen Arbeitsalltag dazu, sich mit Leserkommentaren auseinanderzusetzen.“

Ein vorbildlicher Umgang mit Leserkommentaren? „Man hat nicht die Zeit, auf jeden Kommentar einzugehen“, räumt der Ressortleiter ein.

Reaktion auf Kommentare

Quo vadis, Journalismus?

Der Journalismus steckt in der Krise. Seit Jahren sinken die Reichweiten und damit auch die Einnahmen. Das Internet ist eine scharfe Konkurrenz für die traditionellen Medien, nicht nur für Zeitungen und Zeitschriften. Es ist schwierig, journalistische Inhalte im Internet zu vermarkten, weil sich längst eine Kostenloskultur eingebürgert hat. Nutzer wollen Inhalte nicht nur jederzeit und überall, sondern auch gratis abrufen können. Einige Medien haben inzwischen Bezahlschranken eingeführt, aber diese werfen bislang kaum Gewinn ab. Doch der Wirtschaftsressortleiter ist sich sicher: „Guter Journalismus wird sich auch weiterhin finanzieren können – durch  Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit!“

Ein weiteres Problem: Viele Nutzer gehen nicht mehr direkt auf die Seiten der Medien, sondern gelangen über Suchmaschinen und soziale Netzwerke zu den Inhalten. Was passiert, wenn Google, Facebook und Co ihre Algorithmen ändern? Bestimmen diese Unternehmen in Zukunft welche Nachrichten gelesen werden? Ein solches Szenario hält Gatzke für unwahrscheinlich.  „Aber wenn ein Nutzer über Facebook und Google bei uns auf eine Geschichte stößt, die ihm gefällt, merkt er sich das. Nach dem zweiten oder dritten Mal geht er dann auch direkt auf unsere Seite.“ Google und Facebook seien bloß weitere Kanäle, über die Inhalte verbreitet werden. „Im Internet gibt es viele Wege und eine Nachricht gelangt immer auf irgendeinem Weg zum Nutzer.“ Sein Leitsatz: Leserbindung durch eine starke Marke, die für Qualität steht.

Momentan bieten die Internetriesen den Medien Kooperationsmöglichkeiten. Google will sein Verhältnis zu den europäische Medien, das von Urheberrechtsstreitigkeiten geprägt war, verbessern. Der Suchmaschinengigant verspricht, mit seinem Förderprogramm Digital News Initiative den europäischen Onlinejournalismus mit 150 Millionen Dollar zu unterstützen. Auch Die Zeit ist mit dabei. „Unser Unabhängigkeit wird dadurch aber nicht gefährdet“, versichert Gatzke. Und er fügt hinzu: „Das können wir uns überhaupt nicht leisten. Wer würde denn noch unsere Artikel lesen, wenn wir nicht mehr unabhängig wären? Unsere Unabhängigkeit ist unser höchstes Gut.“

Medienkrise? „Guter Journalismus wird immer eine Zukunft haben!“ – Marcus Gatzke in seinem Schluss-Statement:

„Angebot & Nachfrage“ mit Marcus Gatzke


Das Team

Johannes Ahlemeyer, Julian Rohr, Lukas Arndt, Till Dörken und Richard Brandt

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