Malte Fischer Porträt

Malte Fischer

Regierungen und Parteien haben einen. Große Unternehmen auch. Und die Banken sowieso. Doch auch in den Medien ist dies ein gefragter Job – Chefvolkswirt. Malte Fischer war zu Gast bei den Wirtschaftsmachern, und er ist der Chefvolkswirt der „Wirtschaftswoche“. Halb Ökonom, halb Journalist – wie funktioniert der Spagat zwischen grauer Theorie und bunter Medienwelt?

Geboren in Gelsenkirchen, Wirtschaftswissenschafts-Studium in Bochum, sieben Jahre Konjunkturforschung am Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Doch dann entschied sich Malte Fischer 1997 für den Journalismus. Nach einem Jahr in der Wirtschaftsnachrichtenagentur VWD ging er zur Wirtschaftswoche.  „Mir machte das Rechnen nicht so viel Spaß wie das Schreiben“, so Fischer. Und doch wird sein wissenschaftlicher Hintergrund in seiner Redaktion sehr geschätzt. So sehr, dass er schließlich zum Chefvolkswirt der Wirtschaftswoche ernannt wurde. „Natürlich kommen die Kollegen mit volkswirtschaftlichen Fragen zu mir. Sehr häufig, manchmal sogar zu häufig, aber das ist auch schließlich meine Aufgabe.“ Seine Rolle im Redaktionsalltag ist klar definiert.

Doch trotz journalistischer Schreibsamkeit sieht sich Fischer immer noch eher als Ökonom. Seine Schwerpunkte: Konjunkturforschung und Makroökonomie. Von Notenbankpolitik bis zur Griechenlanddebatte, Fischer beschäftigt sich mit vielen Themen. Eines davon ist auch unser Geldsystem, welches Fischer als großes Problem und auch als Krisenursache sieht. Als Mainstream-Ökonom sieht er sich mit einer solchen Sichtweise aber nicht.

Dennoch stellt Fischer fest: „Wirtschaft ist ein Minderheitsthema in Deutschland.“ Natürlich würde man gerne für die breite Masse berichten, aber bei harten volkswirtschaftlichen Themen ist die Zielgruppe in Deutschland klein. Trotzdem scheint die Wirtschaftswoche aber eine zahlungskräftige Zielgruppe zu treffen, die Auflagen steigen.

Fischer-Zitat-Einordnungen

Fischer ist verantwortlich für die traditionelle Rubrik „Der Volkswirt“, in der auf einigen Seiten volkswirtschaftliche Themen erklärt werden. In der Mitte des Heftes angeordnet, „der Volkswirt“ ist ein Markenkern der Wirtschaftswoche. Vor einigen Wochen gab es einen Relaunch, mit neuem Layout und neu strukturierten Inhalten. Doch die neue „Lila auf Gelb“-Farbgebung kommt nicht bei jedem gut an. „Es gab auch Leute, die das neue Design mit einer Viagra-Reklame verglichen haben“, so Fischer. Aber auch das neue Design sei an Lesern ausgiebig getestet worden.

Das neue Design des Markenkerns der Wirtschaftswoche polarisierte stark in der Redaktion.
Das neue Design des Markenkerns der Wirtschaftswoche polarisierte stark in der Redaktion.

Trotzdem – „der Volkswirt“ bleibt der wichtigste Markenkern der Wirtschaftswoche, wird schließlich durch die spezielle Farbgebung vom Rest des Heftes abgehoben. Doch der Relaunch bringt nicht nur ein neues Layout, auch die Heftstruktur wurde neu durchdacht. Neben weiterhin langen Geschichten sollen jetzt vermehrt kurze Artikel und Ein-Spalter im Heft zu finden sein. Laut Leserforschung wollen die Leser kürzere Artikel und schneller zum Punkt kommen. Das Zeitbudget des Lesers ist knapp, sagt Fischer. Trotzdem solle die Qualität darunter nicht leiden.

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„Angebot & Nachfrage“ mit Malte Fischer

Das Team

Anja Lordieck, Luisa Flicke, Malina Reckordt, Natalie Hornoff und Christoph Peters