Michael Best, Sprecher Bundesbank

Michael Best

 

Sind Pressesprecher nur PR-Masskottchen? Anfang Juni besuchte Michael Best die Wirtschaftsmacher im Erich-Brost-Haus. Der Chefsprecher der Bundesbank sprach im Talk mit den Moderatoren Tim Esselmann und Max Drews unter anderem auch über schwierige Entscheidungen in Zeiten der Wirtschaftskrise. Für die Vorbereitung der einstündigen Diskussion war Christoph Baade verantwortlich.


Zur Person:

Zur Person:Best_nachdenklich

Schon in jungen Jahren war Michael Best eines klar: Auf die Wirtschaft kommt es an! Bereits in der Oberstufe des Gymnasiums traf sich der 1956 geborene Best mit Klassenkameraden, um mit ihnen Karl Marx zu lesen und über dessen Thesen zu diskutieren.

„Zu meiner Schulzeit waren Schüler politisiert. Wir haben uns also nachmittags getroffen und Marx gelesen. Damit wollte man früher auch die Mädchen beeindrucken.“

Obwohl er von Marx und dessen Idee vom Sozialismus alles andere als begeistert war, war Bests Interesse an der Wirtschaft trotzdem geweckt und so schrieb er sich nach der Schule an der Universität des Saarlandes für Volkswirtschaft ein. In einem praxisorientierten Studium lernte er nicht nur volkswirtschaftliche Theorien zu verstehen, sondern diese auch gleich auf konkrete Probleme anzuwenden.

„Im Studium haben wir die Ökonomie mal aus dem Wolkenkuckucksheim rausgeholt und  in die raue Wirklichkeit gebracht.“

Mitte der siebziger Jahre kam Best dann erstmalig mit dem Journalismus in Kontakt. Auf das Anraten seiner Mutter, selbst Moderatorin beim Saarländischen Rundfunk, machte Best 1977 ein vierwöchiges Praktikum beim SR und durfte danach gleich als freier Mitarbeiter dort weiterarbeiten.

„Da ich schon während des Studiums so gut im Beruf war und gutes Geld verdiente, war ich versucht gar kein Examen zu machen.“

Best_Nach 14 Semestern Studium rang sich Michael Best doch noch durch, seinen Abschluss zu machen. Mit dem VWL-Diplom in der Tasche ging er nach Frankfurt, um erst als Stadtreporter und dann 1989 erstmals als Börsenberichterstatter für den Hessischen Rundfunk zu arbeiten.

„Früher war an der Börse immer Trubel! Da gab es noch den Kick beim Kurse machen. In dem Sinne hat die Börsenberichterstattung über die Zeit immens an Charme verloren.“

Ab den 1990er Jahren startete Best dann als Wirtschafts- und Börsenexperte richtig durch. Nachdem er einige Zeit in der Tagesschau-Redaktion des HR gearbeitet hatte, übernahm Best 1998 die Leitung des Ressorts Wirtschaft und Finanzen im ARD-Hauptstadtstudio.

„Ich entwickelte mich zu einer Art Finanzexperte der ARD – eine Funktion, die es offiziell gar nicht gibt. Aber es traf sich gut, dass ich das alles gelernt hatte – Volkswirte sind rar unter Fernsehjournalisten.“

2001 übernahm Best dann die Leitung von allen aktuell arbeitenden Ressorts beim HR, um dann 2007 im ‘fliegenden Wechsel‘ die Verantwortung für die Börsenberichterstattung der ARD und damit die Moderation der Sendung „Börse im Ersten“ zu tragen. Das hieß: Täglich zweieinhalb Minuten über die Börse berichten und das in Zeiten der Finanzkrise.

„Tag für Tag mussten wir neue Mosaiksteine hinzufügen zum Bild der Finanzkrise – immer in der Kürze von zweieinhalb Minuten. Fernsehen erreicht viele Zuschauer, um den Preis extremer Verknappung.“

2011 wechselte Michael Best dann zur Bundesbank und wurde damit  zugleich Kommunikationschef und Pressesprecher für Jens Weidmann, den Präsidenten und Chefökonom der deutschen Zentralbank.

Zum Gespräch:

Zum Gespräch:

Natürlich war der Wechsel Bests vom Journalismus in die Kommunikationsabteilung der Bundesbank ein großes Thema beim Wirtschaftsmacher-Talk.
Die Entscheidung für den Wechsel habe er nach Gesprächen mit der Bank im Jahr 2011 jedoch sehr schnell getroffen, sagt er. Er sei kein Mensch, der ewig die Vor- und Nachteile einer solchen Entscheidung abwäge.

„Schlaflos wälzt man sich sonst im Bett der ungelebten Möglichkeiten.“

Best_GanzkörperOb er mit seinem neuen Job nicht die Seiten in der Medienwelt gewechselt hätte, wollen die Moderatoren wissen. Best bestreitet dies. Für ihn sind sowohl die öffentlich-rechtliche ARD als auch die Bundesbank Häuser „unter dem Schild der Unabhängigkeit“.
Bei der Bundesbank arbeite Best allerdings nun mehr hinter den Kulissen anstatt zu berichten, sagt er. Dies sei der größte Unterschied zwischen beiden Jobs.

„Die VWLer der Bundesbank haben mich berochen und geguckt, ob ich mitdiskutieren kann.“

Wenn  die Spitzenriege um Bundesbank-Präsident Jens Weidmann zusammenkommt, hat Michael Best also nun auch ein Wort mitzureden. Die Entscheidungen treffe am Ende jedoch Herr Weidmann, so Best.
Seine Aufgabe sei vielmehr die eines „Spin Doctors“. Best versteht sich dabei jedoch nicht als „Schönredner“, sondern als ein Sprecher, der ein exaktes Bild von der Arbeit der Bank schildern kann.

Schließlich ging es im Talk mit dem Publikum auch um die Entwicklung der VWL und des VWL-Studiums.


Best steht der extremen Mathematikorientierung im Wirtschaftsstudium kritisch gegenüber. Er begrüßt stattdessen stärker philosophisch geprägte Wirtschaftsüberlegungen. Das Durchexerzieren vieler ökonomischer Modelle lieferte Bests Ansicht nach nicht die entsprechenden Ergebnisse und würde viel zu wenig in den richtigen Kontext gestellt.

„Diese starke Mathematik-Orientierung – das ist doch nur Scheingenauigkeit.“

V.l.n.r.: Christoph Baade, Max Drews, Michael Best und Tim Esselmann
Das erste Selfie von Michael Best (2. v. r.) – gemeinsam mit Christoph Baade, Max Drews und Tim Esselmann (v. l. n. r.) und natürlich standesgemäß mit Filter

Von Christoph Baade, Tim Esselmann und Max Drews

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