Kai Peter Rath, Sprecher McKinsey

Kai Peter Rath

 

McKinsey. Für viele Wirtschaftsstudenten eine Verheißung, für noch mehr andere ein rotes Tuch.  Für das Außenbild der größten und erfolgreichsten Unternehmensberatung der Welt ist in Deutschland Kai Peter Rath verantwortlich. Rath ist seit 2008 Director Communications für McKinsey Deutschland. Vorher war er über 20 Jahre lang bei verschiedenen Medien in Deutschland als Wirtschaftsjournalist tätig. Im Gespräch mit Journalistik-Studenten sprach der 46-Jährige über seinen Werdegang als Journalist, den Wechsel zu McKinsey und die Außenwahrnehmung seines Unternehmens.

„Als Journalist muss man immer neugierig bleiben.“ Dass Kai-Peter Rath sich in diesem Punkt treu geblieben ist, führte letztlich zu seinem Abschied aus dem Journalismus. Neugierig ging er nach einem kurzen Telefonat mit einem McKinsey-Mitarbeiter essen – Monate später trat er dann seinen Job als Director Communications an.

Seine Neugier trieb den heute 46-Jährigen jedoch schon vorher etliche Jahre lang durch die Redaktionen der deutschen Wirtschaftspresse:

Der Werdegang

Bis 92 Studium BWL und Wirtschaftspsychologie in Köln

Während seines Studiums fühlte Rath sich nicht als BWLer, sondern als Journalist. Es war also nur konsequent, sein Studium durch freie Mitarbeiten im journalistischen Bereich zu finanzieren:

92-93 Redakteur beim WDR
Nach dem Studium erhielt Rath (noch ohne journalistische Ausbildung) einen Redakteursvertrag beim WDR – wie sollte man sonst das Jahr bis zur Henri-Nannen-Schule überbrücken?
93-95 Henri-Nannen-Schule

In Hamburg gehörte er zum letzten Jahrgang, für den Wolf Schneider verantwortlich war. Von Montag morgens bis Freitag abends unterrichtete der erste Schulleiter der Hamburger Journalistenschule persönlich.

95-97 Redakteur bei Capital

 

Fertig ausgebildet heuerte Rath beim Wirtschaftsmagazin Capital an. Doch wirklich glücklich wurde er dort nicht. Der Grund: Er durfte nicht genug schreiben.

97-99 Finanzkorrespondent für den Focus

Also wechselte er zum Focus. Als Finanzkorrespondent an der Frankfurter Börse erfüllte sich sein Wunsch nach mehr Schreiben.

99-08 bei der WirtschaftsWoche

Nur zwei Jahre später wechselte Rath erneut: Er wurde stellvertretender Ressortleiter Geld bei der WiWo. 2002 wurde er Ressorleiter. Hauke Reimer, der damalige Börsenkorrespondent und heutige Ressortleiter Geld, erinnert sich noch sehr genau an seinen Vorgänger:

„Er hatte eine sehr elegante Art, seine Leute, insbesondere seinen Frankfurter Börsenkorrespondenten, zu Geschichten zu  motivieren. […] Auf diese Art entstanden einige der besten und aktuellsten Wiwo-Geschichten.“

Nur ein Jahr später wurde Rath zum stellvertretenden Chefredakteur ernannt. Doch durch seinen schnellen Aufstieg ergab sich auch ein Problem für den weiteren Werdegang des damals 35-Jährigen:

Seit 08 Kommunikationsdirektor bei McKinsey Deutschland

Doch Rath wurde fündig – und zwar außerhalb des Journalismus. Als Director of Communications bei einem Unternehmen wie McKinsey Deutschland mit bisher nur journalistischer Vorerfahrung anzufangen – eine reizvolle Aufgabe, fand Rath:

Director of Communications bei McKinsey Deutschland – der Pakt mit dem Teufel?

McKinsey – das ist eine der weltweit führenden Unternehmens,-  und Strategiebratungen. Der letzte veröffentlichte Umsatz des Unternehmensteils McKinsey Deutschland lag bei 600 Millionen Euro im Jahre 2002. McKinsey stand in den vergangenen Jahren oft in der Kritik als machthungriges, elitäres, rücksichtsloses und gefährlich einflussreiches Unternehmen. Personalpolitische Grundsätze wie das „Up or out“-Prinzip, das Mitarbeiter nach festgelegten Zeiträumen entweder befördert oder entlässt, stärkten dieses Bild lange. Seit dem Wechsel von Jürgen Kluge zu Frank Mattern an der Spitze von McKinsey Deutschland im Jahre 2007 machte das Unternehmen eher durch seine sparsame Veröffentlichung von unternehmensinternen Informationen Schlagzeilen. Ein wichtiger Faktor in der neuen Ausrichtung der Unternehmenskommunikation: Kai Peter Rath.

Die Informationen die unter Rath noch an die Öffentlichkeit dringen, werden sorgfältig selektiert. War Jürgen Kluge noch jemand, der ausgezeichnete Kontakte zur Politik pflegte und seine (persönliche)  Meinung gerne im Rahmen von Talkshow-Auftritten in die Öffentlichkeit trug, äußern sich McKinsey Mitarbeiter heute äußerst ungern über ihre eigene Meinung. Rath unterstützt diese Philosophie: Frei nach dem Motto ‚Schuster bleib bei deinen Leisten‘, „fehle McKinsey das Mandat“, sich persönlich zu politischen Sachverhalten zu äußern. Projekte in der Funktion als Unternehmens,- bzw Strategieberater im Auftrag der Politik schließt diese Regelung jedoch nicht aus:

Eine sorgfältige Auslese der Bewerber, im Job ständige Konkurrenz zu den eigenen Mitarbeitern, kontinuierlicher Druck durch die Vorgesetzten und das latente Stigma zu „den Bösen“ zu gehören. Was bewegt einen Menschen dazu, bei McKinsey zu arbeiten? Welche Anreize bietet mir die Unternehmensberatung als jungem, motiviertem Absolventen neben einer üppigen finanziellen Entlohnung?

McKinsey bietet vielfältige Möglichkeiten zum Berufseinstieg. Eine wirtschaftliche Vorbildung ist nicht zwingend nötig, um im Namen McKinseys über das Wohl von Multi-Millionen-Euro Firmen mitzuentscheiden. Das nötige Know-How vermitteln die Meckies ihren Zöglingen lieber selbst. Als Bewerber bei McKinsey habe ich also nicht viel zu verlieren, ich werde auf Kosten der Firma ausgebildet und habe nachher im Job sogar die Möglichkeit einflussreiche Kontakte zu knüpfen.  Aber stand für Kai Peter Rath, einem gestandenen Journalisten nicht ein gewisser Preis auf dem Spiel? Verlangt die Arbeit als Pressesprecher einer Firma nicht auch die teilweise Aufgabe der eigenen journalistischen Integrität? Ist es nicht die Hauptaufgabe des PR-Chefs die Firma zu schützen? Ist es nicht Aufgbe des PR-Chefs im Notfall für das Wohl der Firma zu lügen?

Nach sechs Jahren als Pressesprecher und langer vorheriger Tätigkeit als Journalist hat Kai Peter Rath eine gute Ausgangslage, um beide Tätigkeiten zu vergleichen. Spannend ist doch die Frage, ob er durch seine Erfahrung in der PR vielleicht auch seine Vorgehensweise als Journalist in Nachhinein beeinflussen würde? Wie siehts denn aus Herr Rath, jetzt da sie vom Stuhl des Interviewers auf den des Interviewten gewechselt haben, was würden sie anders machen?

 

 

Von Moritz Cremers, Jim Laage und Lukas Haag

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