Ulrich Ueckerseifer, WDR-Wirtschaftsjournalist, bei den Wirtschaftsmachern

Ulrich Ueckerseifer

Von der Eurokrise bis zum Hoeneß-Prozess: Wenn ein Wirtschaftsthema im WDR-Hörfunk auftaucht, kann man sicher sein, Ulrich Ueckerseifers Stimme zu hören. Seit dem Auftakt der Finanzkrise erklärt der Wirtschaftsredakteur dem Publikum wirtschaftliche Sachverhalte und Zusammenhänge.
Im Wirtschaftsmacher-Werkstattgespräch redete er über seine journalistische Nische als Wirtschaftserklärer und den Bildungsauftrag im Wirtschaftsjournalismus.

Eigentlich ist es fast schon dem Zufall – genauer gesagt Krawatten, Badminton und der Finanzkrise – geschuldet, dass Ulrich Ueckerseifer als WDR-Wirtschaftsredakteur am Wirtschaftsmacher-Talk teilnahm. Ein Blick zurück:

Geboren wurde Ulrich Ueckerseifer am 22.12.1970. Nach dem Abitur machte er eine Lehre bei der Deutschen Bank mit dem Ziel, einmal Börsenmakler zu werden. Seine Abneigung gegen Krawatten ließ ihn aber vom Berufswunsch Börsenmakler abrücken. 1992 nahm er stattdessen ein Studium der Wirtschafts- und Medienwissenschaften in Siegen auf.

Über seinen Badmintonpartner, der Reporter beim WDR war, kam er zum Journalismus. Seine ersten Stationen: Reporter bei der Sportschau, dann freier Mitarbeiter beim WDR. Im Anschluss an sein Studium absolvierte er dort auch sein Volontariat. Seit 2002 arbeitet Ueckerseifer nun als Redakteur für den WDR.

Der Auftakt der Finanzkrise 2006 ebnete ihm den Weg in die Wirtschaftsredaktion. Schließlich benötigte auch der WDR zu diesem Zeitpunkt Redakteure mit Wirtschaftsverständnis, das Ueckerseifer durch sein Studium und die Banklehre besaß.

Da es während der Finanz- und später der Eurokrise immer wieder etwas zu erklären gab und Ulrich Ueckerseifer das gerne tut, richtete er sich mit der Zeit eine journalistische Nische ein: die des Wirtschaftserklärers.

Passiert irgendetwas Wichtiges in der Welt der Wirtschaft, wird er in den WDR-Nachrichten oder dem ZDF-Morgenmagazin zugeschaltet. Dann vermittelt Ueckereifer dem Publikum das ökonomische Basiswissen, das es zur Einordnung der Geschehnisse braucht. Angekündigt wird er dabei nur noch als WDR-Wirtschaftsexperte. Eine Rolle, die irgendwo angesiedelt ist zwischen Journalist und Lehrer. Er füllt sie mit Begeisterung aus und bereut es nicht, dass er es in seinem jugendlichen Wunschberuf nicht lange ausgehalten hat:

„Mit 43 hast du bei der Bank oft deinen ersten Herzinfarkt. Deshalb war es vielleicht ganz gut, dass es damals bei der Bank diesen Krawattenzwang gab. Der hat mir nämlich überhaupt nicht gefallen.“

Ulrich Ueckerseifer sieht seinen Auftrag darin, seine Zuhörer zu bilden, damit sie wirtschaftliche Vorgänge und Zusammenhänge verstehen. Er setzt für seine Beiträge kein Basiswissen voraus und fängt immer wieder bei Null an. Das Berufsbild des ermittelnden Journalisten, der die exklusive Geschichte erzählen will, reizt ihn wenig. Auch wenn er die Bemühungen von Journalisten und Medienhäusern im investigativen Bereiches schätzt:

„Grundsätzlich ist die Entwicklung gut. Das Problem ist aber: Es gibt kaum so viele wirklich relevante Skandale, wie es mittlerweile investigative Redaktionsgruppen gibt. Das kann auch zu einem Overkill führen. Ich finde, die Leute haben am Ende oft mehr davon, wenn sie eine Sache verstehen. Und deswegen fühle ich mich auch besonders wohl in meiner Erklärerrolle.“

In seiner Erklärerolle sieht er sich nicht dem Ökonomen-Mainstream verpflichtet. Bei Themen wie dem Mindestlohn, bei denen die Mehrheit der Bürger  aus seiner Sicht völlig anderer Meinung ist als die Mehrheit der Wissenschaftler, versucht er seine Kritik und Kontrollfunktion auch gegenüber der Wissenschaft zu erfüllen.

„Ich finde immer spannend herauszuarbeiten, was stimmt, insofern, dass es gut begründet ist und was im Grunde nur auf einer Annahme beruht. Ich mag schon ökonomische Vernunft, weil die uns auch den Wohlstand sichert. Ein Problem ist, dass viele Professoren einfach die Denkschule ihrer Vorgänger übernehmen und sich nicht umstellen wollen.“

Ueckerseifer ist bereit, streitbare Positionen zu beziehen und unabhängige Einschätzungen zu formulieren. Gerade beim Thema Mindestlohn hat Ueckerseifer eine klare Position:

„Wir haben in Deutschland eine fast einhellige Phalanx der Ökonomen, die sagt: Der Mindestlohn ist schlecht, denn er kostet Arbeitsplätze. Ich halte das für überzogen, oder hart ausgedrückt: für Mumpitz. Der Mindestlohn wird in alle Richtungen völlig überschätzt. Für mich ist das eine gesellschaftspolitische Frage und keine ökonomische. Der Mindestlohn wird einige Arbeitsplätze kosten, aber bestimmt keine Hunderttausende. Denn man müsste ja einen Job immer durch etwas anderes ersetzen können. Das heißt: Man muss immer ein bisschen dahinter gucken. Es wird viel erzählt.“

Wenn er eine solche Prognose über den Mindestlohn trifft, geht er natürlich auch die Gefahr in, komplett danebenzuliegen. Doch das schreckt ihn nicht ab. Er sieht es als essenziellen Teil seines Berufs, zukünftige Auswirkungen ökonomischen Handelns im Blick zu haben und auch zu kritisieren:

„Wenn ich einfach gar keine Prognosen gebe, dann mache ich es mir zu leicht. Allerdings muss ich immer die verschiedenen Prognosen im Blick haben, die es gibt und die sich oft widersprechen. Dann geht es um eine Einordnung: Wie stark sind in der derzeitigen Situation die Argumente für die eine oder die andere Sichtweise. Ich finde, das ist genau der Job eines guten Wirtschaftsjournalisten, zu gucken: Wie sind die gesellschaftlichen Auswirkungen von wirtschaftlichem Handeln? Was passiert voraussichtlich in der Zukunft und wie würde uns das betreffen? Das ist für mich ein Bildungsauftrag.“

Dieser Bildungsauftrag ist Ulrich Ueckerseifers Motivation und der Grund für sein besonderes journalistisches Berufsbild. Auch wenn einiges in seiner Karriere zufällig erscheint, nimmt Ulrich Ueckerseifer doch in einer Rolle am Wirtschaftsmacher-Talk teil, die zu ihm passt. Die der Stimme, die Hintergründe zu aktuellen Wirtschaftsthemen erklärt.

Text von Carolin Imcke, Daniel Schmitz und Kornelius Dittmer. Fotos von Ricarda Dieckmann.

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